Unser Nachbarblog zu Südasien weist auf den von der Simon Frazer Universität im kanadischen Vancouver herausgegebenen Afghanistan Conflict Monitor hin, für den 1.500 Newsquellen ausgewertet werden. Er ist Teil des Human Security Projects.
UN pulse meldet, dass anläßlich des am 10. Dezember anstehenden 60. Jahrestages der Universal Declaration of Human Rights (hier die Homepage zu diesem Jubiläum) ein Handbuch mit dem Titel “The United Nations Human Rights System: How to Make it Work for you” auf englisch und französisch erscheint.
IRIN ist die Website “humanitarian news and analysis from Africa, Asia, and the Middle East” des UN Office for the Coordination of Humanitarian Affairs. Sie bietet mannigfaltige Informationen zur Entwicklung der Menschenrechtssituation in den genannten Weltregionen und ist ein schönes Beispiel für eine Webseite, auf der man nach den unterschiedlichsten Gesichtspunkten seine Informationen konfigurieren kann, sei es Region, Sprache, Medienart etc. Ebenso bemerkenswert die vielfältigen Möglichkeiten, Inhalte per RSS zu abonnieren, so dass man die aktuellen Informationen zugeschoben bekommt, ohne dass man die Seite dazu neu besuchen müßte!
Schon seit längerer Zeit existiert bei dem Metakatalog KVK das Registerblatt „IBLK Metakatalog“, welches neben thematischen Ausschnitten aus verschiedenen Verbundkatalogen auch die „Datenbasis IBLK“ bot. Diese Datenbasis ist, wenn man so will, der Ursprung des Portals, welches ich heute besprechen möchte, das mittlerweile IREON-Portal benannt wird.
Die Datenbasis IBLK – das Akronym beschreibt die Internationalen Beziehungen und Länderkunde – wird kooperativ vom Fachinformationsverbund Internationale Beziehungen und Länderkunde (FIV) erstellt, einer Reihe von Forschungs- und Politikberatungs-Institutionen Deutschlands. Sie enthält bibliographische Angaben – aber nicht Abstracts! – der Neuerwerbungen dieser Institutionen, die mit Hilfe einer Klassifikation und einem Thesaurus inhaltlich erschlossen werden. Diese Datenbasis ist Grundlage der Datenbank World Affairs Online (WAO), welche schon seit längerem in verschiedenen Zugängen (beispielsweise in der ViFaPol) und z.T. kombiniert mit anderen Datenbeständen (beispielsweise in der WISO-Datenbank von Genios oder im EINIRAS Database Network) kostenlos und kostenpflichtig angeboten wird.
Hier kommt nun das IREON-Portal neu hinzu. Lediglich noch ein weiterer Zugang? Nein. Wenn man das Portal ausprobiert hat und den Reaktionen von Nutzern trauen darf, dann ist die Konfiguration und in Folge dessen die Handhabung dieses Suchinstruments hervorragend. Schauen wir es uns an:

Auf der Startseite hat man links die Navigationsleiste, rechts oben die „Einfache Suche“ und unten Erläuterungen. Rechts befindet sich eine freie Spalte, die bei der Ergebnisdarstellung dann mit Begriffen zur Einschränkung der Suche gefüllt wird. Ein sehr klarer Aufbau, der interessanterweise mit dem Content Management System Typo 3 realisiert worden ist. Im Hintergrund werkelt die Technologie von FAST, bei der der Name Programm ist. Sie ist bekannt beispielsweise von der Wissenschaftssuchmaschine Scirus her …
Bei der einfachen Suche gibt man einfach Suchworte, Phrasen oder trunkierte Begriffe ein. Schon bei der einfachen Suche werden verschiedene Filtermöglichkeiten angeboten, dazu zählen bereits die zweite Zeile mit Erscheinungsjahr-Angabeoption, dazu zählt die Auswahlbox „Suche nur nach Volltexten“. Vollends die ausklappbare Zeile „Filter“ bietet die Möglichkeit, die Suche nach Datenbanken, Publikationstypen (hier neben Büchern und Aufsätzen namentlich auch „Graue Literatur“) und Sprachen einzugrenzen. Hier die erweiterte Suche mit ausgeklappter Filteroption:
Die Ergebnisdarstellung ist sehr transparent aufgebaut, unter der Literaturangabe sind Schaltflächen mit Weiterleitung zum Volltext, KVK, Subito, EZB und Export nach RefWorks (einer Literaturverwaltungssoftware) zu finden. Die Quelle und die Deskriptoren sind zunächst nicht aufgeführt, durch Anklicken der kleinen Pfeile hinter dem Titel expandiert man die Ansicht und hat dann die volle bibliographische Angabe angezeigt. Welcher Datenbank die jeweilige Angabe entnommen wurde, wird rechts am Rand angezeigt.
Je nach Datenbank ist es unterschiedlich, was angezeigt wird. Die in IREON integrierten Datenbanken PAIS und Worldwide Political Science Abstracts (WPSA) sind nur dann zugänglich, wenn IREON in einem Hochschulnetz ausgeführt wird oder nach Anmeldung bei den DFG-Nationallizenzen.
Dann kann man auch die Abstracts nutzen, die diese beiden Datenbanken zusätzlich zu den bibliographischen Angaben bieten. Die Datenbank WAO ist eine vorwiegend bibliographische Datenbank, welche über die Literaturangabe und die Deskriptoren hinaus bei einem Fünftel der Einträge auch Abstracts anzeigt.
Die Sortierung der Ergebnisse kann man durch verschiedene Optionen steuern. Man kann auch Ergebnisse markieren und dann diese Auswahl im Format verschiedener Literaturverwaltungsprogramme (Endnote, Bibtex, RefWorks) exportieren bzw. sich mit Hilfe von E-Mail zusenden lassen.
Rechts an der Seite werden bei der Ergebnisdarstellung dann in den Feldern Autoren, Datenbanken und Schlagwort Begriffe, Personen und Datenbanken angezeigt, anhand derer man die Ergebnismenge einschränken kann. Nach einer Suche beispielsweise nach einer Person bekommt man so die Möglichkeit, anhand des Koautors schneller gewünschte Publikationen zu finden.
Vielleicht schieben wir noch ein, was für ein Profil das IREON-Portal bietet. In der Erklärung auf der Startseite unten ist das eigentlich sehr schön ausgedrückt:
„IREON bietet Ihnen Literaturhinweise, Volltexte und (in Kürze) Webseiten zu
• außen- und sicherheitspolitischen Themen
• Fragen der internationalen wirtschafts- und entwicklungspolitischen Zusammenarbeit
• europapolitischen und transatlantischen Themen
• regional- und länderbezogenen Fragen weltweit
• auswärtiger Kulturpolitik
• Klima, Umwelt und Energie“
Die Zielgruppe ist also in allen Wissenschaftlern und Journalisten zu sehen, die an internationalen Fragen jedweder Couleur und an Länderinformationen (damit sind auch die Geographen an Bord) interessiert sind. In meinen Augen ist dadurch ein scharfes Profil gegeben, es sind nicht die Politologen insgesamt oder allgemein Sozialwissenschaftler, für die dieser Dienst sinnvoll ist, sondern wissenschaftlich Arbeitende und Orientierte, welche an internationalen Themen und Länderinformationen interessiert sind.
Dies zeigt sich auch am Zusatzangebot „WAO Abkommen“, welches die Volltexte von Verträgen und Abkommen im Sicherheitsbereich anzeigt, aber eben nur da. Wenn man beispielsweise ganz dröge und allgemein „Europäische Union“ eingibt, dann werden Verträge der EU angezeigt, aber eben nur im Bereich der Sicherheitspolitik.
Ein echter Mehrwert, den das IREON-Portal noch bietet, ist der Zugriff auf den European Thesaurus („Europäischer Thesaurus Internationale Beziehungen und Länderkunde“). Hier können Begriffe gesucht werden, die in einem hierarchisch gegliederten Ordnungssystem angeordnet sind. Bei der Eingabe von „Friedenssicherung“ beispielsweise werden Synonyme, weitere und engere Begriffe angezeigt, zudem Siehe-auch-Verweise und die Zuordnung des Begriffs zur Thesaurussystematik.
Zu dieser kann man wechseln, wenn man rechts die angezeigte „Schlagwortliste“ von der alphabetischen Anzeige auf „systematisch“ umstellt. Hier kann man dann die Zuordnung der Begriffe zur Systematik der Klassifikation sowie alle anderen zugeordneten Schlagwörter ansehen, ggf. anklicken, worauf sie dann wieder links dargestellt werden.
Alle ca. 8.000 Begriffe (laut Beschreibung, laut Schlagwortliste sind es mehr als 12.000 Begriffe) kann man in andere Sprachen übersetzen lassen (wird dann ganz unten unter den Ergebnissen ausgeworfen). Und alle Begriffe haben eine kleine Schaltfläche, mit deren Hilfe man sofort nach Ergebnissen im Portal recherchieren kann.
Lediglich einen Link bietet das IREON-Portal zur Datenbank „Online Contents IBLK“, die wie alle anderen OLC-Datenbanken beim Gemeinsamen Bibliotheksverbund (GBV) gehostet und wie viele von ihnen lediglich in Hochschulnetzen zugänglich ist. Privatpersonen haben hier also das Nachsehen! Die Betreiber von IREON sollten sich daher überlegen, ob sie wirklich die OLC-Suche integrieren wollen. Auch die Suche in den Datenbanken PAIS und WPSA ist beschränkt, aber immerhin hat man schon einmal eine bibliographische Angabe in der Hand und (nur als in Deutschland lebende/r) prinzipiell die Möglichkeit, sich bei nationallizenzen.de registrieren zu lassen und dann die Datenbanken im vollen Umfang zu nutzen. Dieser institutionell privilegierte Nutzung von OLC ist aus der Sicht von Privatpersonen schlicht ärgerlich!
Alles in allem besticht das IREON-Portal durch ein scharfes Profil, einen klaren Aufbau und eine gute Handhabbarkeit. Hierzu ist auch hinzu zu zählen, dass man auf jeder Stufe zwischen deutscher und englischer Anzeige umschalten kann, beileibe keine Selbstverständlichkeit bei deutschen Diensten.
Das bedeutet auch, dass der Dienst international ohne grössere Schwelle genutzt werden kann. Auch das – leider! – ein Alleinstellungsmerkmal! Jedenfalls ist das IREON-Portal ein Angebot, an welchem Politologen kaum vorbeikommen werden können, sowohl vom Leistungsumfang der eingebundenen Datenbanken, der Aktualität der Einträge in WAO als auch von der hervorragenden Handhabung her. Dazu zählen übrigens auch die stets leicht erreichbaren und gut gestalteten Hilfetexte. Wünschenswert bezogen auf die Handhabung wäre allenfalls noch die Erweiterung mit RSS-Abonnements-Möglichkeit. Für Nutzer mit breiterem Interesse (also Politologie allgemein oder Sozialwissenschaften) sind andere Diensten wie die ViFaPol oder – demnächst wird es vorgestellt – Sowiport sinnvoll.
Auf der Homepage des Fund for Peace findet sich auch der “Failed States Index” (in der vierten Ausgabe von 2008), welcher auf 12 Risikoindikatoren in den Bereichen Gesellschaft, Wirtschaft und Politik beruht. Die Indikatoren sind beschrieben, die Werte tabellarisch angeordnet (können nach den einzelnen Spalten geordnet werden) und die Länder in die Bereiche grün (o.k.), gelb (manches fraglich) und rot sortiert, auch schon in der Weltkarte oben auf der Seite. An welchen Werten liegt es, dass Deutschland nicht im grünen Bereich verortet ist? Sehen Sie die Tabelle selbst an. Zweck des Index ist es,
(…) to develop ideas for promoting greater stability worldwide. We hope the Index will spur conversations, encourage debate, and most of all help guide strategies for sustainable security.
Die Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung (HSFK) lobt
einen neuen Preis im Bereich der Friedensforschung aus, den Ernst-Otto
Czempiel-Preis. Er dient der postdoktoralen Nachwuchsförderung und
wird alle zwei Jahre für die beste Monographie aus der
Friedensforschung vergeben. Der Preis ist mit 5.000,- Euro dotiert. Er
wird international ausgeschrieben. Nominierungen/Bewerbungen sind bis
zum 15. Juli 2008 möglich.
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